Muttertag – Ursprung und Geschichte

Muttertag

Jährlich feiern wir am zweiten Sonntag im Mai den Muttertag. Vergessen kann man ihn eigentlich nicht, denn wir werden frühzeitig von Werbespots und Werbeprospekten daran erinnert.  Doch wisst ihr überhaupt, wo der Muttertag, wie wir ihn heute feiern, eigentlich seinen Ursprung hat? Steckt mehr dahinter als eine kommerzielle Marketingidee?

Erste Ansätze zum Muttertag

Wann und wo genau in der Zeitgeschichte zum ersten Mal ein Muttertag gefeiert wurde, kann heute nicht mehr mit Gewissheit gesagt werden. Bekannt ist, dass bereits die alten Griechen ein Fest zur Ehren der Mutter des Gottes Zeus veranstalteten . Doch mit dem Untergang des griechischen Reichs, ging diese Tradition wieder verloren. In einigen Ländern wurde diese Tradition wieder aufgegriffen, es ist jedoch nicht belegt, dass sie sich dabei an den alten Griechen orientierten.

Im 13. Jahrhundert entstand in England unter Heinrich III. der sogenannte Mothering Day, allerdings eher zu Ehren der Mutter Kirche.

Der Muttertag und die Frauenrechtsbewegung

Der Muttertag, wie wir ihn heute feiern, hat seinen Ursprung in der amerikanischen Frauenrechtsbewegung.

Als Begründerin gilt heute Anna Jarvis, eine bekannte Frauenrechtlerin. Am 9. Mai 1908 verteilte sie vor der Kirche 500 weiße und rote Nelken an Frauen. Die roten sollten die lebenden Mütter ehren und die weißen die Verstorbenen. Sie wollte damit vor allem ihrer eigenen Mutter, Ann Maria Reeves Jarvis, gedenken, deren Todestag sich an diesem Datum zum dritten Mal jährte. Bereits ein Jahr zuvor gab es, auf Grund ihrer Bemühungen, einen Gedenkgottesdienst zu Ehren ihrer Mutter, die sich zu Lebzeiten für den Frieden und für eine Verbesserung der schlechten, hygienischen Verhältnisse eingesetzt hat.

Anna fuhr mit dem Bestreben fort, einen Tag der Mutter als offiziellen Feiertag herbeizuführen. Ihr Ziel war gleichzeitig, mehr Rechte für Frauen durchzusetzen. Sie schrieb zahlreiche Briefe an Politiker, Frauenvereine und Geschäftsleute. Im Jahr 1914 war es dann endlich soweit. Die USA erkannten den Muttertag als nationalen Feiertag an. Seither wird in vielen Ländern am zweiten Sonntag im Mai der Muttertag gefeiert. England zog nach und ließ auch dort den „Mothering Day“ wieder aufleben. Darauf folgte 1917 die Schweiz, 1918 Norwegen, 1919 Schweden, 1923 Deutschland und 1924 Österreich.

„Mother’s Day ist in honor of the best Mother who ever lived – the Mother of your heart.“

Anna Jarvis

Doch schon damals entwickelte sich der Muttertag schnell zu einer Geschäftemacherei und einem Tag der Geschenke, sodass die eigentliche Botschaft schnell in Vergessenheit geriet. Anna Jarvis war über diese Kommerzialisierung so verärgert, dass sie sogar vor Gericht zog, um den von ihr eigens ins Leben gerufenen Muttertag wieder verbieten zu lassen. Die Klage wurde jedoch abgewiesen. So hatte sie sich das nicht vorgestellt.

Muttertag in Deutschland

Von einer kommerziellen Einführung über den Missbrauch durch die Nationalsozialisten, bis heute – auch in Deutschland hat der Muttertag eine zwieträchtige Geschichte. 1923 wurde er in Deutschland erstmals durch den Verband deutscher Blumengeschäftsinhaber ins Leben gerufen. Er galt allerdings erst ab 1933 unter den Nationalsozialisten als Feiertag und wurde in den „Gedenk- und Ehrentag der deutschen Mütter“ umbenannt. Als Ideal galt die „bürgerliche Hausfrau“, die dem Deutschen Reich möglichst viele „arische Kinder“ gebären sollte. Mit der Geburt des achten Kindes wurde einer Frau das „goldene Mutterkreuz“ verliehen.

Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges und den in Deutschland stationierten Amerikanern, hielt der ursprüngliche Muttertag wieder Einzug in Deutschland. Jedoch nur im westlichen Teil. Denn in der DDR sowie den anderen Ostblockländern, die unter dem Einfluss der Sozialistischen Sowjetunion standen, wurde der amerikanisch geprägte Muttertag, auf Grund der feindlichen Haltung zwischen der USA und der Sowjetunion, abgelehnt. Stattdessen wurde hier der Internationale Frauentag gefeiert. Erst mit der Wiedervereinigung wurde der Muttertag auch in Ostdeutschland gefeiert. 

Muttertag

Fazit

Es sollte uns zu denken geben, dass der Muttertag bereits zu Lebzeiten von Anna Jarvis kommerzialisiert wurde. Anna Jarvis hatte ehrenvolle Absichten, als sie sich zielstrebig dafür einsetzte, einen offiziellen Ehrentag für alle Mütter ins Leben zu rufen. Umso trauriger ist es, dass sie, trotz aller Mühen und Qualen, die sie in dem Kampf auf sich genommen hat, den von ihr ins Leben gerufenen Tag wieder verbieten lassen wollte. So sehr war sie von der schnellen Geldmacherei, die die eigentliche Bedeutung in den Schatten rückte, enttäuscht.

Und auch heute wird man das Gefühl nicht los, dass der Kommerz im Vordergrund steht. Viele kennen den Ursprung des Muttertags nicht und sind in der Annahme, er sei eine Marketingidee. Und warum? Die Werbung will uns weis machen, es bedarf teuren Blumen, Pralinen, Schmucks oder Parfüms, um unseren Müttern Wertschätzung entgegen zu bringen. Noch dazu zu überteuerten Preisen, die uns als Schnäppchen verkauft werden.

Doch wir haben es in der Hand! Wir können die eigentliche Botschaft des Muttertags wieder in den Vordergrund rücken. Vor allem können wir den Muttertag fair und nachhaltig zelebrieren. Wir brauchen keine überteuerten Schnittblumen, die aus Entwicklungsländern importiert werden und für die die Farmer Billiglöhne erhalten. Wir brauchen keine ‚pro forma‘ Pralinen von großen Konzernen, die unseren Müttern lediglich sagen sollen „Schau, ich hab an Muttertag gedacht“. Ist es nicht viel schöner, gemeinsam Zeit zu verbringen? Ein Spaziergang, gemütliches Beisammensein? Backen wir ihnen doch einen Kuchen oder kochen für sie. Nehmen sie in den Arm, rufen sie an, schreiben ein paar liebevolle Zeilen. Es gibt so viel wundervolle Möglichkeiten ‚Danke‘ und ‚Ich habe dich lieb‘ zu sagen.

Quellen

Schreibe einen Kommentar